Imkerei

Logo ImkereiIm März 2005 wurde auf Anregung einiger Schüler/innen des 8. Jahrgangs eine Imkerei-AG gegründet, die in Kooperation mit dem Imkerverein Langenhagen mehrere Bienenvölker betreut. Dabei werden die Grundkenntnisse des Imkerns vermittelt. Nach den Sommerferien wurde aus dieser AG heraus unsere erste Schülerfirma gegründet, die von zwei Lehrern betreut wird. Dabei ist H.-J. Ratsch für die biologische und praktische Ausbildung der jungen Imker verantwortlich, während W. Schlüter den betriebswirtschaftlichen Teil der Firma anleitet.

Auf Anfrage von Frau von der Heyde (Landesschulbehörde) und Herrn Dr. Jens Reißmann (Kultusministerium) wurden Jennifer Bartels (9c), Moritz Wallat (9c) und H.-J. Ratsch (FBL Naturwissenschaften) gebeten, die Vorbereitungen für die Auftaktveranstaltung der „UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung” zu unterstützen und das Engagement und Know-how der Schülerfirma „Imkerei der IGS List” bei der Vorstellung des BLK-Programms „Transfer 21″ auf dem „Markt der Möglichkeiten” im Raschplatzpavillon vorzustellen (BLK = Bund-Länder-Kommission).

Mit tatkräftiger Unterstützung von Schulleiter O. Nachtwey, W. Schlüter (FBL AWT) und unserem neuen Kollegen T. Schiffhauer wurden ein nahezu professioneller Messestand entwickelt, ein aussagekräftiger und ansprechender Flyer erstellt und das von der Schülerfirma entwickelte LOGO gut in Szene gesetzt.

Schülerfirma ImkereiDie Geschäftsführer der Schülerfirma Moritz Wallat und Ramon Wegener (9a) sorgten mit ihrem Team, bestehend aus Fabian Klysz (9c), Nicolas Fock (9c), Sebastian Siggel (9a, Kassenwart) und Jennifer Bartels (Protokollantin), durch ihre freundliche und kompetente Kundenberatung bei Honigverkostung und -verkauf für ein gutes Gesamterscheinungsbild am Stand unserer Schule. Dieses war so ansprechend, dass auch der Kultusminister B. Busemann bei seinem Rundgang über den „Markt der Möglichkeiten” des Lobes voll war.

In seiner Eröffnungsrede betonte der Minister noch einmal, wie wichtig das Projekt „UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung” sei, in dessen Rahmen 10 % aller niedersächsischen Schulen (ca. 310) erreicht werden sollen. Wörtlich sagte er dazu: „Das sichtbare Engagement der Lehrerinnen und Lehrer, besonders aber auch der Schülerinnen und Schüler, ist beeindruckend und hat mich begeistert.”

Was beinhaltet die UN-Dekade?

Ziel ist es, die Idee der nachhaltigen Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Die UNESCO wurde als „lead agency” mit der Koordination der Weltdekade beauftragt. Nähere Informationen können von Interessierten auf der Homepage der UN-Dekade in Deutschland unter www.dekade.org und www.unesco.de abgerufen werden.

Entscheidend für das Gelingen der Dekade ist die dezentrale Umsetzung auf lokaler Ebene.

WabenProfessor de Haan erläuterte in seinem Festvortrag „Zukunftschance Nachhaltigkeit lernen” weitere Schlüsselqualifikationen, die angestrebt werden. Er machte deutlich, dass wir in Deutschland für die Zukunft über das Wissen hinaus weitere Kompetenzen entwickeln müssen. So verlangen die PISA-Studien als eine der drei Grundkompetenzen die Nachhaltigkeit, die besonders in den Programmen „Umweltschule in Europa”, „Transfer 21″ und in der „UN-Dekade Bildung für eine nachhaltige Entwicklung” betont werden.

Fundamentale Grundlagen für PISA 2009 können die Bereiche „Autonomes Handeln” und „Operieren in heterogenen Gruppen” sein. Genau diese geforderten Schlüsselkompetenzen werden in Schülerfirmen erreicht.

Im Anschluss an den Festvortrag baten die Moderatoren dann Jennifer Bartels und Moritz Wallat auf die Bühne, die kompetent und überzeugend ihren Werdegang von Naturschutzberatern für Hautflügler (Heinz–Sielmann–Schulpreis 2003) über die Sielmann–Ranger bis zur Schülerfirma vor Vertretern von 130 Schulen, Kultusministerium, Landesschulbehörde und Presse vorstellten.

Welches didaktische Potenzial steckt in der Organisationsform unserer Schülerfirma?

  • langjähriges Interesse der Schüler/innen, indem auf den bisherigen Erfahrungen aufbauend neue Herausforderungen mit höherem eigenem Verantwortungsgrad angeboten werden (ältere „Experten” leiten junge Schüler an)
  • ein breit gefächertes Spektrum handlungsorientierter biologischer Themen, zoologische Kenntnisse (Bienen, Verwandtschaften, Parasitologie) sind neben botanischen Kenntnissen (Futterpflanzen) und imkerlicher Praxis notwendig
  • fächerübergreifendes Verständnis von Ökonomie und Ökologie entwickeln, die Herstellung und Vermarktung ökologisch einwandfreier Produkte zu entsprechenden Preisen ermöglicht Einsichten auch in die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten
  • Tugenden wie „Verantwortungsgefühl” für die Haltung von Tieren entwickeln
  • Kooperation zwischen Jung und Alt erleben und als wertvoll schätzen lernen

(Wissenstransfer, Verständnis füreinander und zusammen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten)

Die Projektbeschreibung der Schülerfirma „Imkerei der IGS List” verdeutlicht die konkreten Umsetzungen der genannten Ziele:

Daten zum Unternehmen

Verkauf des eigenen HonigsDie IGS List hält seit über 10 Jahren im Rahmen ihres Gesamtkonzeptes als „Umweltschule in Europa” Tiere wie Degus, Mäuse und Meerschweinchen. Nach einer Einweisung durch Fachkräfte betreuen Schüler/innen die Tiere weitgehend selbstständig.

Die Schülerfirma „Imkerei” entstand Anfang 2005 auf Anregung des Fachbereichsleiters (FBL) Arbeit–Wirtschaft–Technik (AWT) aus einer Schülergruppe des 8. Jahrgangs, die bisher (in Kooperation mit dem FBL Naturwissenschaften) schon auf Schulveranstaltungen Kerzen und Honig verkauft und teilweise auch schon eine Ausbildung zum Naturschutzberater durchlaufen hatte.

Gründungsmitglieder waren 9 Schülerinnen und Schüler des 8. Jahrgangs sowie als Berater die FBL AWT und Naturwissenschaften. Im Schuljahr 2004/2005 wurde die Schülerfirma in der Freizeit der Schüler und Lehrer aufgebaut. Seit dem Schuljahr 2005/2006 wird sie als UN–Dekade–Projekt für nachhaltige Entwicklung geführt.

Bienenkästen DetailaufnahmeDie Bienenkästen sind derzeit auf dem Gelände des Imkervereins Langenhagen aufgestellt. Langfristig sollen sie teilweise auf dem Schulgelände sowie einer Streuobstwiese eines befreundeten Tierarztes untergebracht werden. Jeder Schüler betreut dann selbstständig ein eigenes Bienenvolk. Für die Honigverarbeitung können zu Anfang die Maschinen des Imkervereins Langenhagen genutzt werden. Nach der Anschaffung eigener Geräte sollen diese im „Science Center” der IGS List untergebracht werden.

Für die Buchhaltung steht ein Arbeitsplatz im Büro des FBL AWT zur Verfügung.

Die Schülerfirma hat sich Regeln gegeben, die einer Vereinssatzung entsprechen und im Besonderen den Ein- und Austritt, die Finanzierung und die Vertretung nach Außen festlegen.

Bisher erfolgte vor allem die Schulung der Schüler/innen in praktischer und theoretischer Bienenkunde durch den FBL Naturwissenschaften und den Imkerverein Langenhagen. Darüber hinaus beschäftigten sich die Schüler/innen mit ausgewählten Aspekten aus dem Finanz- und Organisationsbereich.

Das Startkapital wurde aufgebracht durch eine Eigenbeteiligung der Schüler/innen, einen Zuschuss der Schule, einen Kredit des Fördervereins und eine Spende. Die FBL AWT und Naturwissenschaften betreuen die Schülerfirma.

Der Imkerverein Langenhagen unterstützt die Schülerfirma durch die Bereitstellung von Platz und Maschinen sowie durch fachliche Beratung. Dabei geben Senioren aus dem Imkerverein ihr Wissen an die jungen Schüler/innen weiter.

  • 5. – 7. Schuljahr: Volontariat, Erwerb des Imker- und Honigscheins
  • 8. Schuljahr: Übernahme und Führung eines Bienenvolkes (5 Schüler)
  • 9. Schuljahr: Führung eines Bienenvolkes (5 Schüler)
  • 10. Schuljahr: Führung und Abgabe des Bienenvolkes an die nachrückenden Achtklässler (5 Schüler)

Unternehmensentwicklungsplanung

Die Unternehmensentwicklungsplanung ist komplex, da man Bienen nicht einfach nach Beendigung der Mitgliedschaft in der Schülerfirma fliegen lassen kann.

Produkte und Dienstleistungen

  • Es werden Honig und Kerzen produziert.
  • Die Produkte werden auf Schulveranstaltungen angeboten. Bei Bedarf werden auch Einzelbestellungen angenommen. Ein Vertrieb ist auch über den Schulkiosk möglich. Abnehmer könnte auch der Hauswirtschaftsunterricht der Schule werden.
  • Aufgrund der Zielsetzung der Schülerfirma handelt es sich um ein eingeschränktes Warenangebot; falls es in diesem Bereich noch weitere Verwendungsmöglichkeiten anderer Honigsorten und Wachsprodukte gibt, wird ggf. das Warenangebot erweitert.
  • Das Wachs, das durch die Bienen gewonnen wird, wird an Firmen verkauft, die daraus neue Mittelwände für Bienenvölker herstellen; das Wachs für die Kerzen wird getrennt erworben und verarbeitet. Das Wachs der Bienen ist nicht rein genug für die Kerzenherstellung und muss aus diesem Grund von professionellen Betrieben gereinigt werden.

Was hat unsere Schule von der arbeitsintensiven Einrichtung und Betreuung von Schülerfirmen?

BienenkästenNach Auffassung von Dr. Reißmann und den betreuenden Lehrern führt eine solche Art von „Unterricht” zu einer Qualitätsverbesserung von Schule und Unterricht, weil die Schüler/innen selbstständig lernen, sich ständig weiterqualifizieren, ihre Ergebnisse realitätsbezogen präsentieren und miteinander und mit vielen anderen Menschen kooperieren.

Hans-Jürgen Ratsch